sundaybrunch kw39. - But first, create!

Ich trinke den ersten Kaffee des Tages in kleinen Schlücken, um mich nicht daran zu verbrennen. Der Himmel ist noch dunkel, obwohl es doch vor ein paar Tagen um die selbe Uhrzeit noch hell war. Die Welt dreht sich zurzeit eine Spur zu schnell, eine Spur zu rasant. Ich spüre den Wind in meinem Gesicht und bemerke in der gleichen Sekunde, wie eisig kalt dieser Morgen eigentlich ist. Während sich sonst der Herbst in kleinen Schritten ankündigt, fühlt es sich dieses Mal wie ein Zeitsprung an. Dabei ist die Zeit ein zu kostbares Gut, um sie Saltos schlagen zu sehen und ihr dabei hinterher zu winken.

Ich bin noch nicht richtig wach, der Schlaf hängt noch immer in meinen Muskeln. Mir wird bewusst, wie wenig Zeit ich eigentlich für mich selber hatte, in den letzten Monaten, wie viel ich in meine Weiterbildung und meinen Job investiert habe, wie alles einfach zu funktionieren hatte. Und auch wenn ich mich an einzelnen Tagen überfordert fühlte, war es immer okay. Ich war immer okay und mehr als okay. Es ging mir die ganze Zeit gut.

Vielleicht habe ich den Stress aufgesaugt und ihn als antreibende Kraft benutzt, vielleicht habe ich gelernt, ihn richtig einzusetzen und mich nicht mehr dagegen zu wehren. Und vielleicht bin ich doch stärker geworden, als ich es noch vor zwei Jahren war. Nein, nicht vielleicht, das ist ganz sicher so. Ich habe mich nicht überrennen lassen, ich habe mich nicht zur Seite schubsen lassen, ich hielt die Stellung. Und vielleicht bin ich etwas stolz auf  mich – nicht vielleicht, das ist ganz sicher so -, dass ich die Situation so gut gemeistert habe, ohne auf halber Strecke aufzugeben.

Dennoch freue ich mich auf den Moment, wenn ich am Donnerstag aus dem Klassenzimmer gehe, die beiden Diplomprüfungen hinter mir habe und die Weiterbildung nach drei Jahren endlich abgeschlossen habe. Nicht zwei bis drei Mal pro Woche Unterricht zu haben, an den Wochenenden zu lernen und Projekte fertigzustellen. Zum Glück ist das vorbei. Fehlt nur noch die Diplomarbeit. Aber ich bin zuversichtlich. Und gespannt. Vor allem aber motiviert.

In diesem Sinne: hier geht es auch bald weiter. Richtig weiter. Lasst mich noch die Diplomprüfungen hinter mich bringen, hier etwas aufräumen und an den Ideen spielen. Dann bin ich wieder da. Mehr als zuvor.