Vollzeit-Job, Weiterbildung & Privatleben - But first, create!

Im Herbst 2014 begann ich mit einer berufsbegleitenden Weiterbildung. Ich war nach meiner Grundbildung noch kein ganzes Jahr fest angestellt, als ich mich mit meiner damaligen Chefin zusammen sass und mich dazu entschieden habe, wieder die Schulbank zu drücken. Für mich kam es nicht in Frage, ein Vollzeit-Studium anzufangen, da ich bereits eine eigene Wohnung, mein Auto und doch schon einen gewissen Lebensstandard hatte. Das alles wollte ich nicht gleich wieder aufgeben.

Die drei Jahre waren nicht immer einfach, ich glaube, das muss ich bereits ziemlich am Anfang dieses Beitrages sagen. Vor allem in den stressigen Zeiten wurde ich zu einem anderen Menschen, naja, vielleicht mehr zu einem Monster. In solchen Situationen ist es wichtig zu wissen, dass deine Familie und deine Freunde dich trotzdem noch mögen und Verständnis mit deiner Situation haben. Ich war ab und zu ziemlich verzweifelt und hätte am liebsten alles hin geschmissen, nur um wieder etwas Zeit für mich zu haben. Aber ich habe weitergekämpft.

Man muss sich immer vor Augen halten, wofür man diese ganze Arbeit macht und die vielen Nerven braucht. Für sich selber. Vielleicht hätte ich mir das Leben in den ersten drei Semestern auch viel einfacher gemacht, wenn ich meinen Alltag etwas organisiert hätte. Dies habe ich aber viel zu spät bemerkt – wie immer natürlich.

Vollzeit-Job, Weiterbildung & Privatleben - so habe ich es unter einen Hut bekommen | butfirstcreate.com

Wenn du dich zurzeit auch in einer stressigen Zeit wiederfindest, können dir vielleicht meine Tipps etwas helfen.

1. Schreibe dir auch die kleinsten Aufgaben auf

Während dem fünften Semester hatten wir zwei grosse Projekte gleichzeitig. Mein Alltag bestand aus Aufstehen, Arbeiten, Projekte, Schlafen. Für mehr hätte die Zeit eigentlich nicht gereicht. Jedoch wartet Zuhause ein Haushalt, Freunde auf ein Lebenszeichen und Besorgungen. Ich kam jeweils nach hause und startete gleich wieder mein Notebook, wollte aber doch viel lieber etwas Netflix gucken oder endlich mal wieder etwas Sport machen. In dieser Zeit habe ich mir jede kleine Aufgabe aufgeschrieben, selbst „Geschirrspülmaschine ausräumen“ oder „Müll rausbringen“, weil ich sonst das Gefühl gehabt hätte, ganz im Chaos zu versinken.

2. Vergiss dich selber nicht

Aufgrund des Zeitmangels und dem zu vollen Kopf hat man weder Bock zu kochen, noch Sport zu machen, noch sonst irgendwas, was eigentlich gut für dich wäre. Zumindest ging es mir so. Anstatt mir einen Salat zu machen, schob ich eine Pizza in den Ofen. Während der Projektarbeit lagen ständig Kekse und Schokolade neben mir auf dem Tisch. Dass ich in dieser Zeit zugenommen habe, müsste ich wohl nicht erwähnen. Irgendwann musste ich dann auf die Bremse treten und für mich selber sagen, dass diese ungesunden Angewohnheiten mir mehr schaden anstatt helfen. Und diese halbe Stunde, um dir etwas richtiges zu kochen oder etwas Sport zu machen, schadet weder dir, dem Projekt noch sonst irgendwem.

3. Versuche genug Schlaf zu bekommen

Bis ich geschnallt habe, dass ich mit Schlafmangel zu einem Monster mutiere, war ich der Meinung, dass mir vier Stunden Schlaf pro Nacht reichen. Dabei ist Schlaf für deine Konzentration eigentlich das Wichtigste, selbst Kaffee kann da nicht mithalten. Auch wenn der Kaffeekonsum während stressigen Zeiten bei mir extrem ansteigt, es hilft alles nichts. Nur ausgeruht ist man auf seiner vollen Höhe!

4. Gemeinsam lernen und arbeiten

Wir waren in diese stressigen Zeiten meist zu Zweit oder zu Dritt und haben die Aufgaben gemeinsam gelöst. Es ist viel angenehmer, wenn du dich nicht alleine in deine Schulbücher oder dein Notebook verkriechst. So kann man sich gegenseitig unterstützen, zwischendurch eine Pause einlegen und etwas quatschen oder einfach nur gemeinsam jammern.


Nun habe ich den schulischen Teil meiner berufsbegleitenden Weiterbildung erfolgreich abgeschlossen – sogar erfolgreicher als erwartet. Keine zwölf Lektionen Präsenzunterricht mehr pro Woche, kein stundenlanges Lernen am Abend und keine Projektarbeiten an den Wochenenden mehr. „Nur“ noch die Diplomarbeit, die mir aber Gottseidank wieder etwas Luft bereitet. Und sich eigentlich gar nicht wie etwas schulisches anfühlt, weil es wirklich sehr viel Spass macht.

Während viele aus meiner Klasse sich bereits über weitere Weiterbildungsmöglichkeiten informiert haben, habe ich mich dazu entschieden, mir eine Pause zu gönnen. Ich weiss, ich darf nicht stehen bleiben – schon gar nicht in einer Branche wie die Informatik. Aber ich brauche Zeit, um durchzuatmen, mich wieder mehr auf die Dinge zu konzentrieren, die während meiner Weiterbildung ständig links liegen geblieben sind.

Auch wenn dieser Beitrag wohl etwas abschreckender klingt, als ich eigentlich wollte, möchte ich noch sagen: wenn du die Möglichkeit auf eine Weiterbildung bekommst, die dir gefällt: tue es! Dieses Gefühl, wenn du es geschafft hast, ist unglaublich. Ich bin unglaublich stolz auf mich und das Wissen, dass ich etwas für mich, meine Karriere und meine Zukunft gemacht habe, ist unbezahlbar.